Der Schmetterling
Der Schmetterling
folgt stets dem Licht
Er mag dem Himmel nahe bleiben
Das hält die Wespenspinne
und die Meise nicht
Davor zurück
Trotz seines edlen Strebens
ihn sich zur eigenen Stärkung
einzuverleiben
Radtour in Oberfranken
Mit der Milch der Stille
nährt die Schaukellandschaft
wohlige Wiegengefühle
Noch am Morgen
nach der Berg- und Talfahrt
wenn ich erwache
Rudert mein Blick
durch die wogende Fülle
der Ähren des Korns
Gerädert verweile ich
zwischen Hügelkissen
voll fächelnder Gräser
02.07.2016
Wegesammler
Immerzu breche ich auf
zu neuen Ufern
Und pirsche mich
durchs Dickicht der Nacht
zu lichtdurchfluteten Morgen
Ich sammle Weiten und Wege
wie das Kräuterweib im Gebirge
seine Wurzeln und Blüten
und wie der Winzer die Trauben
liest aus den Ranken der Reben
Und spinne aus den
gesammelten Seidenfäden
einen Kokon der Schönheit
aus dem meine Freiheit
täglich neu entschlüpft
Suha Punta 31.8.2016
Pfützen
Wie rein erscheinen
noch die trübsten
Regenpfützen
Das Himmelsantlitz
spiegelt sich in ihnen
mit umwölkter Stirn
Und Keime, Mücken
Würmer in dem Schlamm
werfen keinen Schmutz
Der Erde Unrat
kam erst nachgeboren
durch die Menschengier
Im Dienst der Götzen
Weltbeherrschung
Reichtum, Größenwahn
Philosophische Radfahrt
Am Feldrain vereinsamt
ein spät erblühter Löwenzahn
inmitten von Kornblumen, Klee,
Klatschmohn und Margeriten
Seit gestern brütet in Brüssel
ein Büschel hoher Experten
im Sitzungsmarathon noch
bis morgen übers Befruchten
der Zukunftsgenerationen
mit karzinogenem Glyphosat
Ich stelle mein Fahrrad
am giftfreien Waldessaum ab
und pflücke aus der Ackerwinde
Verse für ein Gedicht
Leupoldsgrün, 25.06.2016
Sehnsuchtslandschaft
Der leichenbleiche Schnee
verneint die Zeugungskraft
des Bodens, das Buchenlaub
verschossen, jeden grünen Trieb
An rissigen Lippen hängen
nachtspröde Nadeln von den Kiefern
sind nebelgraue Backenbärte
am hohlwangigen Erdenhaupt
Und keine Hirtenfeuer
lodern am eisbedeckten Himmel
kein Morgen- und kein Abendschein
am wüstenkahlen Horizont
Allein das klebrige Gespinst
von meinem Sucherblick umwebt
das falbe kosmische Skelett
mit einem Mittagschimmer
Leupoldsgrün, 5.1.2016
Felder im Juni
Die knotigen Schäfte
des jungen Maises treiben
lilienhafte Kelche
und spitze Hellebarden
aus Blättern, sie versprechen
in schattigen Achselscheiden
schon die satte Milch der Kolben
Die Gerste dreht die Strahlengräten
der Sonne nach, gleich Blicken
aus verwunderten Pupillen
von Mädchen, die in weißen
Spitzenkleidern zum ersten
Abendmahl an die Altäre treten
Der Raps bald struppig
in melierten Strähnen
schon ergraut
Der Roggen blaut
bedeckt mit einem Hauch
nächtlichen Himmelstaus
Und Weizenhalme recken
ihre ranken Ähren
gedrängt vom Wunsch nach Fülle
Indes die Messingblüten
der wilden Gräser ihre Saat
im Wind nach Zufallslaunelust
auf Raine und in Wälder schütten
Leupoldsgrün, 26.06.2016
Weiße Blüten
Jungfräulich
wechselt die Braut
Natur im Jahreskreis
ihre Hochzeitsschleier
Schneeglöckchen, Jasmin
Waldmeister, Holunder
Beinwell, Margerite
Schafgarbe und Klee
Rein streut ihr Erwachen
aus ewigem Schlummer
bewusstlose Unschuld
in meine Pupillen
Planmäßiges Chaos
Erdengrau über der Scholle
schwirren die Meisen
aus aufgefalteten Furchen
zum steigenden Sinkflug
Scheu vor Röte am Kragen
blauäugig weise
vergessen sie den Jungfernflug
der morgigen Brut
Verbringen ins Nest diesjährige
Halme vorjähriger Stoppeln
fürs Flechtgedinge künftig
schlüpfenden Federflaums
Radfahrers Abendlied
Über allen Teichen herrscht Ruh
Aus brütenden Wässern
spürest du Planktongeruch
Die Gänse gründeln im Sande
Warte nur, balde schlummern sie auch
... mehr Lyrik
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